Zabern-Affäre

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D' Zàwerer Affär (dt. Zabern-Affäre, frz. Affaire de Saverne odr Incident de Saverne) isch 1913 a Kris em Deitsche Kaiserreich gwea, wo em elsässische Zàwere (frz. Saverne) dr jonge preißische Leutnant Forstner d'elsässisch Bevelkerung als Wackes beleidigt hot, ond später sogar no mit em Säbel en Schuster am Kopf verletzt hot.

D' Protest ond Gegamaßnahma vom Militär send eskaliert, sogar Maschinegwehr send en de Stroßa ufgstellt worda. En ganz Deitschland isch gega de Militärismus protestiert worda, es hot z'erste Misstrauensvotum en dr deitsche Gschicht gege dr Reichskanzler ge. Dr Kaiser hot em ganze Reich erheblich an Asehe verlore, ond em Elsass ganz bsonders.

En Literatur ond Sproche

Dr Schriftsteller Heinrich Mann hot d Zàwrer Affär en seim Roman Der Untertan verschafft.

Dr Schriftsteller Ulrich Rauscher hot en eme Gedicht über dr „brav Bürger“ gspottet:[1]

Ob Euresgleichen auch zu Haufen
vor Bajonett und Säbelhieb –
Marsch, Marsch! Hopp, Hopp! – Spießruten laufen:
Ihr seid doch alle leutnantslieb!
Ihr fühlt nur unter Kolbenstößen
Euch wahrhaft wohl im Vaterland.
Verdammt, die sich derart entblößen,
nachdem sie selber sich entmannt!
Euch werde fernerhin in Gnaden
der Säbel übers Hirn gehaut!
Ihr seid des Deutschen Reichs Kastraten!
Hurrah, du Eisenbraut!

Kurt Tucholsky en Vorwärts über dr „Muat“ vom Leutnant Forstner lustig:[2]

Der Held von Zabern
Ein «Mann» mit einem langen Messer,
und zwanzig Jahr –
ein Held, ein Heros und Schokladenesser,
und noch kein einzig Schnurrbarthaar.
Das stelzt in Zaberns langen Gassen
und kräht Sopran –
Wird man das Kind noch lange ohne Aufsicht lassen? –
Es ist die allerhöchste Eisenbahn! –
Das ist so einer, wie wir viele brauchen! –
Er führt das Korps!
Und tief bewegt sieht man die Seinen tauchen
nach Feinden tief in jedes Abtrittsrohr.
Denn schließlich macht man dabei seine Beute –
wer wagt, gewinnt!
Ein lahmer Schuster ist es heute,
und morgen ist’s ein Waisenkind.
Kurz: er hat Mut, Kuhrasche oder besser:
ein ganzer Mann! –
Denn wehrt sich jemand, sticht er gleich mit’s Messer,
schon, weil der and’re sich nicht wehren kann.

Zabernism isch a Bezeichnung für Missbrauch von militärischer Gewalt odr für tyrannisches, aggressives Verhalten en dr englische Sprache.

Zeitgenössisch Zitat

  • Wie uns angeblich noch keiner - um mit Bismarck zu reden - den preußischen Leutnant nachgemacht hat, so hat uns in der Tat noch keiner den preußisch-deutschen Militarismus ganz nachzumachen vermocht, der da nicht nur Staat im Staate, sondern geradezu ein Staat über dem Staat geworden ist (...)“ (Karl Liebknecht, bereits sieben Jahre vor der Zabern-Affäre)[3]
  • Leben wir in einer südamerikanischen Republik, wo jeder Oberst den Gerichtsbehörden das Gesetz diktieren darf, und hängen bei uns Leben und Freiheit der Bürger von den Entschlüssen einer Kasinogesellschaft ab?“ (Theodor Wolff, Publizist und Schriftsteller)
  • Wir müssen uns dagegen verwahren, daß ein akademisches und militärisches Maulheldentum Stimmträger der deutschen Gesinnung wird“ (Theodor Heuss kurz vor den Vorfällen[4])
    Zabern ist nur ein Symptom.“ (ders. kurz nach den Vorfällen[5])
  • Immer feste druff!“ (Wilhelm von Hohenzollern, der Sohn des Kaisers, in einem Telegramm zum Jahreswechsel)
  • Und ist nicht das Morden und das Verstümmeln im Kriege der eigentliche Beruf und die wahre Natur jener 'Militärbehörden', deren gekränkte Autorität in Zabern die Zähne gezeigt hat?“ (Rosa Luxemburg)[6]

Literatur

  • Erwin Schenk: Der Fall Zabern, W. Kohlhammer, Stuttgart 1927.
  • Hans-Günter Zmarzlik: Bethmann Hollweg als Reichskanzler 1909–1914. Studien zu Möglichkeiten und Grenzen seiner innenpolitischen Machtstellung (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd 11), Droste-Verlag, Düsseldorf 1957, bes. S. 114–130.
  • Hans-Ulrich Wehler: Der Fall Zabern. Rückblick auf eine Verfassungskrise des wilhelminischen Kaiserreichs, in: Die Welt als Geschichte 23, 1963, S.27–46; wieder als: Symbol des halbabsolutistischen Herrschaftssystems - Der Fall Zabern von 1913/14, in: Hans-Ulrich Wehler: Krisenherde des Kaiserreichs 1871–1918. Studien zur deutschen Sozial- und Verfassungsgeschichte, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1970, S.65–83; noch einmal als: Der Fall Zabern von 1913/14 als Verfassungskrise des Wilhelminischen Kaiserreichs, in: Hans-Ulrich Wehler: Krisenherde des Kaiserreichs 1871–1918, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1979 (2. Aufl.), S.70–88 und 449–458.
  • David Schoenbaum: Zabern 1913. Consensus Politics in Imperial Germany, George Allen & Unwin, London 1982 (197 Seiten); ISBN 0-04-943025-4.
  • Rainer Nitsche (Hrsg.): Durchfall in Zabern. Eine Militärdemontage, Transit Buchverlag, Berlin 1982; ISBN 3-88747-010-9.
  • Richard W. Mackey: The Zabern Affair, 1913–1914, University Press of America, Lanham 1991; ISBN 0-8191-8408-X.
  • Gerd Fesser: „...ein Glück, wenn jetzt Blut fließt!". Zeitläufte, in: Die Zeit Nr. 46/1993, S. 88.
  • Wolfgang J. Mommsen: War der Kaiser an allem schuld?, Propyläen Verlag, Ullstein Heyne List, Berlin 2005, S. 203–209; ISBN 3-548-36765-8.

Anmerkungen

  1. Ulrich Rauscher: Den braven Bürgern. In: Die Schaubühne, 15. Januar 1914, S. 70.
  2. Theobald (Kurt Tucholsky): Der Held von Zabern. In: Vorwärts, Jg. 30, Nr. 318, 3. Dezember 1913.
  3. Karl Liebknecht in einem Vortrag vor dem Mannheimer Jugendkongress im Oktober 1906, dann wieder in seiner Schrift Militarismus und Antimilitarismus unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Jugendbewegung. Leipzig, 1907. Hier zitiert nach Volker R. Berghahn (Hg.): Militarismus. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1975, S. 91.
  4. Theodor Heuss: Der deutsche Chauvinismus. In: März, 7. Jg./Nr. 34 vom 23. August 1913, S. 269
  5. Theodor Heuss: Die Zaberner Schüssel. In: März, 8. Jg./Nr. 3 vom 17. Januar 1914, S. 99
  6. Rosa Luxemburg: Sozialdemokratische Korrespondenz, Nr. 3. Berlin, 6. Januar 1914.
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